Depri-Ionen stören den neuronalen Datenverkehr

Farblos vergehen die Tage
Weiß wie der Flieder im Mai
Endlos liegen die Stunden vor mir
Doch dann sind sie plötzlich vorbei

Jetzt brauch ich ein trauriges Lied
das von Kummer und Sorgen mir singt
Ein Grau das ins Schwarz sich vertieft
Ein Lied das in Schwermut ertrinkt

Wie wird das Kleine doch groß
Und wie das Große doch klein
Alles wird bleicher und ausdruckslos
alles neuralgischer Schein

Udo Schmitt, Oktober  2007


 

 


 


 

Vom göttlichen Rot

 

 

 

Das Rot hat Gott in die Welt gebracht
Das Schwarz war immer schon hier
Vielleicht hat Gott ja auch mich gemacht
doch Schwarz war immer in mir

Dann hat Gott dich zu mir gebracht
Das Rot war immer in dir
Das Rot hat uns beide fast umgebracht
Das Schwarz ist geblieben in mir

 

Udo Schmitt, Oktober 2007

 

 
 
 



 

 

 

Das Ende vom weißen Rauschen

Weiß ist das Licht und das flüchtige Leben
Weiß sind die Worte der Großstadtpoeten
Weiß war dein Kleid, als alles noch schön war
Weiß sind all meine Gedanken

Weiß geht es weiter auf dieser Straße
Aber irgendwann folgt die Überblendung
hinüber ins andere
noch viel weißere Leben

Darum schnell
ein paar schwarze Schritte
ins weiße Feld gesetzt

Und weißes Rauschen wird bunt

 

 

Udo Schmitt, November 2007

 
 
 
 



 

 

Gedanken am Meer

 

Einst stand ich am Meer
Und fuhr weit hinaus
mit meinen Gedanken
bis dorthin, wo ich nun stehe

Ich sehe zurück
über all meine Träume
bis dahin, wo ich einst stand
am verheißenden, raunenden Meer

Und ich weiß, dass du kein Kind mehr bist
und ich kein Karrenschieber
Du hast das Leben, ich die Gedanken
Wie Musik klingen Gedanken am Meer 
 

Oskar Paul, Januar 2008


 


 

 


 




 

 

 
 


 

Aus

Und als der Mensch begriff
dass es irgendwann einmal
aus ist
fiel ihm die Religion ein

Und viele waren begeistert
von dieser Idee eines Danachs
Man baute Mauern, war unter sich
fühlte sich als Mensch

der mehr als andre begriff

 

Udo Schmitt, Januar 2008

 


 

 

 

Das Leben hält an am Libyschen Meer

 

Ich stelle mir vor, du bist die Sängerin
die ihre Netze auswirft, weit über das Libysche Meer
Und die Fische sind meine Gedanken, dein Gesang
ist die Hand, die immerzu nach mir greift

Ein Vogel erhebt sich in die Lüfte und verschwindet
im Abendglühen der untergehenden Sonne
Es öffnen sich weite Räume und ein Gedanke wird klarer
hebt sich wie der kleine Abendvogel in die Luft
bis er sich frei bewegt
und im Lichte der untergehenden Sonne versinkt

Ein Mensch bleibt zurück und windet sich aus seiner Vergangenheit
aus dem viel zu eng gewordenen Kleid der letzten Jahre
Ich bin ganz ruhig und werde mein Leben jetzt selbst in die Hand nehmen
oder es mit Füßen treten. Mein Atem legt sich lautlos über die Sekunden
so lange, bis das Leben wieder weiter geht 

Daniel Poigné, Februar 2008

 
 
 

 

 




 

Abayomi

Abayomi folgte dem Schmetterling
bis an die Grenze der Berge
Dort drüben tobte der Krieg
Er verschlang Väter und Söhne
Ließ Frauen und Kinder zurück
und ihre Schmetterlinge

 

Udo Schmitt, August 2006

     

 

 


 

 

 

Zukünftig

Dein Leben verläuft sich
Ist kein Bach, kein Strom
ist Flussdelta

Konturen lösen sich auf
Du hebst dich nicht mehr ab
vom Hintergrund

Wirst zu Erde
auf der andere ihr Haus bauen
Jahrhunderte vergehen ohne dich 

 

 

Daniel Poigné, Dezember 2008


 

   

 




 

 

 

Rätselhaft

Während deine Augen still stehen
Windmühlen sterben
Vögel sich in den Lüften schlafen legen

Glätten sich meine Falten
bis hin zu deinem rätselhaften Tod
Kinder stehen am Spiegel
Sehen hinein, sehen nur Licht

Aber nicht dein versonnenes Lächeln
Einst standst auch du
vor dem Spiegel, tagelang

Bis du darin verschwandst
Ich aber sehe im Spiegel
immer nur meine Augen

Udo Schmitt, März 2009

 
 

 
 
 


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